02.01.2016 Abschied von Blümchen.

Blümchen Erinnerung

Gestern hat unser "Blümchen" ihre letzte Reise angetreten. Sie ist ungefähr 15 Jahre alt geworden. Als Findling aus dem Tierheim zog dieses wunderschöne ostfriesische Milchschaf im Sommer 2002 zu uns, eigentlich nur für einen Sommer als "Rasenmäher" gedacht. Aber für mich war sofort klar - Blümchen bleibt bei uns. Blümchen hatte ein unglaublich freundliches Wesen gegenüber Mensch und Tier und interessierte sich immer sehr für die kleinen Hundewelpen. Als sie zu uns kam, war das Grundstück noch nicht eingezäunt und so mussten wir sie damals anpflockern. Und da zeigte sich auch gleich, warum Blümchen im Tierheim gelandet war - sie war ganz offensichtlich  ein "Ausbrecherschaf" und hatte die Technik perfekt heraus, wie man sich von dem Pflocker befreit. Anschließend wanderte sie dann zwei Grundstücke weiter, dort waren nämlich zwei Schafe. Und wir durften sie dort regelmäßig abholen. Wenn sie noch unterwegs war, hatte sie auch nicht die Absicht, sich von uns einfangen zu lassen, weder mit Brot noch mit guten Worten konnten wir sie überlisten. Trotz ihrer stattlichen Größe von locker 80 cm war sie in der Lage, Haken zu schlagen, bei denen sogar ein Hase neidisch geworden wäre und hat damit Dieter und auch mich so manches Mal fast zur Weißglut getrieben..

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Als wir gerade mitten im Zaunbau waren, wäre Blümchen uns um ein Haar wieder entwischt - aber nicht zu den Nachbarn. Ich bemerkte auf einmal, dass sie schon eine ganze Weile reglos am selben Fleck stand. Als ich zu ihr hinging, sah ich, dass sie solange mit der Kette um den Pflocker gelaufen war, dass sie nun dabei war, sich regelrecht zu strangulieren. Dieter hat die Kette in letzter Sekunde entfernen können, Blümchen hatte schon eine blaugefärbte Zunge. Es war höchste Zeit, dass der Zaun fertig wurde. Danach haben wir sie nie wieder angepflockert, sondern übergangsweise ein kleine Stück mit Gitterfeldern abgetrennt, so dass sie dort grasen konnte. Kurze Zeit später war der Zaun fertig und Blümchen bekam noch einen schönen kleinen Stall. 

Blümchen

Blümchen

Und da man ein Schaf nicht alleine halten sollte, kam nach ein paar Wochen das zweite Schaf, unsere Flicka, dazu. Die beiden gehörten ebenso wie unsere Hunde zu unserer Familie und so gab es zukünftig keinen Grund mehr für Blümchen, zu Nachbars Schafen zu gehen.

Blümchen

Die beiden Schafe lebten all die Jahre einträchtig wie ein altes Ehepaar miteinander. Nur wenn sie geschoren wurden, gab es anschließend regelmäßig Streit zwischen den beiden. Blümchen erkannte wohl Flicka ohne ihre Fellpracht nicht wieder und verfolgte sie regelrecht, um sie dann zu boxen. Nach ein paar Tagen legte sich das dann aber und die Harmonie zwischen den beiden war wiederhergestellt.

Blümchen

Beide Schafe waren mit einer robusten Gesundheit gesegnet und so gut wie nie krank. Auch die gefürchtete Blauzungenkrankheit ging an uns vorüber. Im Jahr 2014 entstanden aber an Blümchens Ohr Wucherungen, sogenannte Plattenepithelkarzinome (Hautkrebs), so dass wir uns zu einer Ohramputation entschlossen. Blümchen überstand diese OP sehr gut, leider begannen die Karzinome ungefähr ein Jahr später auch an dem anderen Ohr zu wachsen. Es blieb uns nichts weiter übrig,  als Mitte November 2015 auch das andere Ohr amputieren zu lassen. Blümchen überstand auch diesen Eingriff sehr gut, zumindest war das unser erster Eindruck.  Kurz vor Weihnachten 2015 fiel uns aber auf, dass Blümchen nicht mehr fressen wollte. Wir dachten zunächst an eine Eiweißvergiftung und versuchten es mit Heu und Pansenmassage, leider jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Auch ein Pansenstimulationsmittel brachte keine Besserung. Sie fraß nur noch ganz geringe Mengen und magerte immer mehr ab.

Am 2.1.2016 entschlossen wir uns schweren Herzens, sie einschläfern zu lassen. Wir haben bis zum Schluß gehofft und gekämpft, aber diesen letzten Kampf dann doch verloren.

Blümchen war das Leittier und ich hatte immer den Eindruck, dass Blümchen vielleicht ohne Flicka leben konnte, nicht jedoch ungekehrt. Und so hoffte ich immer, dass Blümchen nicht die erste der beiden wäre, die irgendwann einmal geht. Leider ging mein Wunsch nicht in Erfüllung. Und unsere arme Flicka versteht die Welt nicht mehr, die zwei waren all die Jahre unzertrennlich.

Blümchen

Blümchen, ich hoffe, Du bist gut angekommen, grüß mir Jony, Bess und Strolch da oben.

Ja, so endete das alte Jahr sehr traurig und das neue beginnt ebenso, aber man soll nicht undankbar sein, Blümchen hat bei uns ein langes und schönes Leben gehabt und ich glaube, sie hat ein Alter erreicht, von dem manches Schaf nur träumen kann.

Blümchen